Aus irgendeinem wahrscheinlich nicht besonders lustigen Grunde gerieten sich einige Mitglieder des >Comic-Heldenvereins Weltenretter e.V.< nach ihrer letzten Jahreshauptversammlung kräftig in die Haare. Insider vermuten, dass es bei diesem Streit um die Frage gegangen sein könne, ob man mehr Grips dafür brauche, die Welt im großen oder im kleinen zu retten, doch ist das, wie gesagt, lediglich eine Vermutung. Wenn man sich die Zusammensetzung der beiden "feindlichen" Lager, die sich da, von einem Haufen neugieriger anderer "Helden" umringt, gebildet hatten, aber einmal näher betrachtet, spricht zumindest nichts gegen die obige These, denn als Weltenretter im großen standen sich da Superman, Batman und Otzman den Weltenrettern im kleinen in Gestalt von Hägar, Tarzan und Obelix gegenüber, und der Charakter dieser beiden Gruppen würde schon recht gut zum Thema "Gripsstreitfrage" passen, denke ich. Aber wie auch immer, schauen wir uns doch einfach den weiteren Verlauf der Auseinandersetzung ab dem Moment an, in dem der bis dahin rein verbal vorgetragene Streit in ein gefährliches Handgemenge überzugehen drohte, denn wie sonst hätte man es deuten sollen, dass Hägar auf einmal zum Schwert griff, Tarzan sein Messer zückte, Obelix kräftig in die Hände spuckte, Superman seinen Hitzeblick anwärmte, Batman den gefürchteten Batknüppel aufblies und Otzman die besonderen Kampfmuskeln seines überirdischen Körpers zu Stretchen begann. Die übrigen Helden hielten sich anscheinend aus der Sache raus, machten nur vorsichtshalber ein paar Schritte nach hinten und warteten, sowohl etwas verunsichert, wie auch heimlich gespannt darauf, was nun weiter geschähe. Und so würde es in der Tat zum wohl schlimmsten Blutvergießen in der bekannten Comic-Geschichte gekommen sein, wenn nicht doch noch jemand in allerletzter Sekunde [wann auch sonst?] beherzt dazwischengegangen wäre. Es handelte sich hierbei um einen - selbst in Kollegenkreisen kaum bekannten - unscheinbaren kleinen Helden mit Namen >Uferman<, seines Zeichens >Retter der Volkshochschulen<, der sich bei seinen Abenteuern im Strom des kulturellen Sparwassers der politischen Ober- und Unterbonzen vor allem durch eine gewisse kühne Coolness auszuzeichnen pflegte, die er auch jetzt wieder an den Tag legte, als er sich (wie üblich leger in Jeans, Jackett und Krawatte gekleidet) dem schlachtbereiten wilden Haufen - mit Ausnahme einer brennenden Zigarette in der Hand ohne sonstige erkennbare Waffen ausgestattet - entschlossen entgegenstellte. Und was dann geschah, lässt sich nur schwer beschreiben, denn wie immer in den ent-scheidenden Momenten seiner unglaublichen Taten hüllte Uferman sich und seine Widersacher in sekundenschnelle in eine gigantische Zigarettenrauchwolke, die sein magisches Vorgehen vor den neugierigen Augen der übrigen Welt - zum Leidwesen so manch einer seufzenden Leserin - ach so vollkommen verbarg. Und so wirkten Ufermans geheime Kräfte auch diesmal wieder im völlig Geheimen und Geheimnisvollen, zumal die ufermansche Wolke mysteriöserweise auch jedes akustische Signal vollständig absorbierte, und so standen sich, kaum eine halbe Minute nach Beginn der ungewöhnlichen Einräucherung, beide Parteien - während die letzten Dunstschleier sich rasch verflüchtigten - zwar noch nicht gerade besonders freundlich, aber immerhin doch wieder einigermaßen friedlich gegenüber.
"Und was sollten eure Fans auch davon halten?" waren die ersten wieder deutlich zu vernehmenden Worte des Retters der Volkshochschulen. "Wenn ihr aber unbedingt klären müsst, wer von euch das bessere Team bildet, solltet ihr das durch einen zivilisierten Wettbewerb und nicht durch eine brutale Keilerei entscheiden, die dem Image unseres Vereins bestimmt auch nicht gerade förderlich wäre. Schließlich seid ihr", fügte er, an Superman und Co. gewandt, hinzu, "doch keine Barbaren! Und ihr", Hägar und Co. fixierend, "habt doch auch Köpfchen, oder etwa nicht?"
Es folgten einige Momente betretenen Schweigens, die Batman schließlich mit der Frage durchbrach: "Und an was für eine Art Wettbewerb hattest du da gedacht?"
"Ich weiß nicht", gab Uferman zurück, "das müsst ihr schon in Frieden unter euch selbst ausmachen. Aber es sollte etwas mit klaren Spielregeln sein, denke ich."
"Ich weiß was", platzte Obelix da heraus, "ich kenne ein schönes Spiel. Es heißt Piratenschiffe versenken."
"Nun ja, das wäre wohl doch ein wenig zu aufwendig", gab Uferman diplomatisch seine Ablehnung kund, "denn wo sollen wir in der heutigen Zeit Piratenschiffe auftreiben."
"Und Römerhelme sammeln geht auch nicht?" versuchte es Obelix gleich noch einmal.
Doch Uferman schüttelte wiederum nur bedauernd den Kopf, aber auch die Vorschläge der Anderen waren kaum besser geeignet und konnten deshalb ebenso wenig akzeptiert werden.
"Dann lass dir selbst doch mal was einfallen", brachte Hägar, durch die ewigen Ablehnungen dieses Retters der Volkshochschulen (was war das eigentlich?) bereits wieder etwas gereizt, in dessen Richtung hervor.
"Wie wärs denn mit Schach spielen?" warf da >Dorman, der Schrecken der Zögernden<, Held des beliebten Schach-Comics >Neue Abenteuer in der Verbandsliga<, aus der Traube der Umherstehenden ein. "Dabei kann man sich nämlich auch prügeln, aber ohne dass es weh tut, da ja nur alles rein symbolisch auf dem Spielbrett stattfindet."
"Schach spielen, was ist das?" fragte Hägar seine Teamkollegen, aber die hatten auch noch nie etwas davon gehört.
"Barbaren", entfuhr es daraufhin Otzman - der offensichtlich nicht seinen tolerantesten Tag hatte [vielleicht aufgrund der Tatsache, dass sein Autor ihn im neuesten Comic-Heft gegen >Wiegelman, den blonden Blitz<, glatt den kürzeren hatte ziehen lassen] -, und obwohl er seine verächtliche Äußerung nur im Flüsterton von sich gegeben hatte, war sie Tarzans urwaldgefahrenerprobtem Gehör keineswegs entgangen, und einen kleinen, bedrohlichen Augenblick lang, sah es ganz danach aus, als wenn die von Uferman so knapp verhinderte Tragödie einer brutalen Schlägerei jetzt doch noch zwischen Tarzan und Otzman entbrennen sollte. Aber dann wandte sich der Herrscher des Dschungels auf einmal von seinem Gegner ab, trat statt dessen zielstrebig auf den unwillkürlich etwas zurück-weichenden Dorman zu, fixierte ihn entschlossen und knurrte, mehr befehlend denn fragend: "Du uns zeigen Schach!?"
Dorman schluckte, nickte, war einverstanden, und nachdem er aus dem Nichts heraus [eine seiner Spezialitäten] ein Brett mit Figuren [beides übrigens aus reiner Formenergie bestehend] hervorgezaubert hatte, gab er den "Barbaren" mal eben einen eindrucksvollen Schnellkurs zum Thema Gang- und Schlagart der Figuren, sowie Ziel und Beendigung des Spieles. Die "Galaktischen Giganten" nutzten diese Zeit ebenfalls, um ihre Schachkenntnisse aufzufrischen, und obwohl keiner von ihnen sich jemals besonders intensiv damit beschäftigt hatte, war man doch der einhelligen Meinung, dass es, falls es zu einem Spiel kommen sollte, bestimmt ausreichen würde, um gegen diese blutigen Anfänger bestehen zu können. Die Barbaren zeigten sich nach beendetem Crash-Kurs mit einem Match um die Ehre einverstanden, und die Giganten nahmen die Herausforderung an. Auf Vorschlag von Dorman einigte man sich auf ein gemeinsames Spiel, bei dem beide Parteien ihre Züge untereinander beraten durften. Damit diese Besprechung nicht vom gegnerischen Team mit angehört werden konnte, hatte Jenes den Raum so lange zu verlassen. Dorman, der als Schiedsrichter fungieren sollte, würde die ganze Zeit über am Brett bleiben und vor allem darauf achten, dass keine Figur während der Beratungsphase berührt oder gezogen wurde. Die kommenden Züge durften lediglich im Geiste durchgespielt werden, praktisch aber erst dann erfolgen, wenn die andere Mannschaft wieder anwesend war.
Und dann ging es also los, und obwohl die übrigen Superhelden meist auch nicht viel Ahnung vom Schach hatten, blieben doch fast alle als Zuschauer im Saal, um dieses besondere Ereignis nicht zu verpassen.
Die Galaktischen Giganten hatten die weißen Steine zugelost bekommen, eröffneten nach kurzer Beratung mit e2-e4 und betraten anschließend den Nebenraum in der Erwartung, nach kurzer Zeit schon wieder zurückgerufen zu werden. Doch eine ganze Minute verstrich, eine weitere verrann, und auch die nächste ging ereignislos vorüber.
"Die sind anscheinend bereits in Schwierigkeiten", witzelte Superman, und auch die anderen hatten keine bessere Erklärung parat, denn es dauerte tatsächlich noch einmal geschlagene 5 Minuten, bis ihnen endlich der Gegenzug c7-c5 präsentiert wurde. Die Giganten reagierten auf Otzmans drängen hin scharf mit d2-d4 und stellten sich wieder auf eine längere Wartezeit ein, doch die folgenden Züge der Barbaren sollten nur selten eine einzige Bedenkminute überschreiten. c5xd4 war die durchaus erwartete Antwort, und als sich alle schon darauf eingestellt hatten, mit der Dame wiederzunehmen, erinnerte sich Otzman an die Sizilianisch-Morra-Gambit-Variante, die er einmal während einer Partie im Eschhaus zwischen Charly Brandenburg und Pelikan gesehen hatte, die ersterer mit lockerer Leichtigkeit hatte für sich entscheiden können.
"c2-c3 ist vielleicht aber noch ein bisschen besser", warf er deshalb ein.
"Aber unser Bauer wird doch dann ganz einfach weggenommen, und schon haben wir einen weniger als die anderen", gab Batman zu bedenken.
"Das ist zwar richtig", erklärte Otzman, "doch sind wir entwicklungsmäßig, wenn wir mit dem Springer zurückschlagen, eindeutig im Vorteil, haben viel mehr Platz für unsere Figuren und können dadurch besser angreifen."
Ganz überzeugt von der Richtigkeit dieses Arguments waren seine Partner zwar nicht, doch schien Otzman von ihnen dreien, schachlich gesehen, noch die die meiste Ahnung zu haben, und so wurde schließlich nachgegeben und c2-c3 gespielt, gefolgt von d4xc3 und Sb1xc3. Die Barbaren zogen anschließend den Bauern e7-e5, den die Giganten sofort mit Sg1-f3 angriffen, woraufhin Schwarz mit Sb8-c6 antwortete, und nach Lf1-c4, Sg8-f6, Lc1-g5 und Lf8-c5 meinte Otzman: "Die spielen gar nicht so schlecht, aber jetzt werden wir mal ein bisschen Gas geben", und schlug mit dem Läufer g5 den Springer auf f6. Schwarz nahm natürlich, um seine Bauernstellung nicht aufzureißen, mit der Dame auf f6 zurück, und was dann zu folgen hatte, war auch Super- und Batman ziemlich schnell klar, nämlich Sc3-d5. Die Barbaren hatten nun natürlich ihre Dame in Sicherheit zu bringen und gleichzeitig das Feld c7 zu bewachen, und stellen sie deshalb auf d6 ab. Nach beidseitiger Rochade bewegte Weiß seine Dame dann von d1 nach e2 und Schwarz die seinige von d6 nach g6, woraufhin >Stahlman< - einer von Dormans tapferen Kampfgenossen (der in der deutschen Übersetzung fälschlicherweise zum >Stallman< degradiert worden war) - sich an seinen Nachbarn wandte und ihm leise zuraunte: "Verstehst du, was die da machen?" - "Kaum", gab Wiegelman lässig zurück, "dafür bin ich einfach nicht langsam genug."
"Die Partie gefällt mir", zeigte Superman sich recht zufrieden mit der momentanen Stellung. "Wir haben wirklich mehr Platz, und die haben immer noch zwei Figuren, die noch gar nicht mitspielen können."
"Und dabei solls auch erst mal bleiben", betonte Otzman und schlug Sf3-h4 vor, was die Barbaren mit einem kessen Sc6-d4 beantworteten.
"Macht-gar-nichts", brachte Batman nach anfänglich doch etwas ernsterer Miene hervor, "wir dürfen nur e4 nicht aus den Augen lassen und müssen auf eine mögliche Springergabel achten, also Dame am besten nach d3."
Schwarz griff daraufhin mit Dg6-g4 den weißen Springer an, und Batman wollte ihn bereits aufs Feld f3 zurückziehen, als Superman den Vorschlag Sh4-f5 lieferte, der nicht ganz so passiv sei.
"Genau", bekräftigte Otzman nach einigen analytischen Überlegungen, "denn wenn sie dann nicht aufpassen, ist ihre Dame futsch. Wir sagen einfach mit dem Springer auf f6 Schach, lassen uns von dem Bauern schlagen und gehen dann mit dem anderen Springer nach h6." Doch die Barbaren ließen sich nicht in die Falle locken und spielten einfach Sd4xf5.
"Mist!" ärgerte sich Otzman, "die merken aber auch alles." Als nächstes folgte e4xf5 und d7-d6.
"Sie greifen unseren Bauern an", stellte Superman fest, "also mit dem Springer noch mal decken. Fragt sich nur wo, auf e3 oder e7." "Weder noch", setzte Batman entgegen, "lasst uns den Bauern doch einfach abgeben."
"Hervorragende Idee", stimmte Otzman zu, und etwas später erkannte es auch Superman: "Dann sagen wir einfach mit dem Springer Schach und holen uns den Läufer ab - oder die Dame, falls sie so dumm sind. Aber irgend einen Zug müssen wir vorher noch machen, bringen wir doch mal einen Turm ins Spiel", und so geschah Tf1-e1. Gespannt betraten sie den Warteraum, wurden nach der üblichen knappen Minute wieder zurückgerufen und verfolgten, wie Obelix den weißfeldrigen Läufer ergriff und - auf d7 bereits wieder abstellte.
"Und die wollen uns weismachen, dass sie vorher noch nie Schach gespielt hätten?" zischte Otzman, nachdem die Barbaren hinausgegangen waren. "Aber die werden schon sehen, was sie davon haben, denn jetzt wird angegriffen, was das Zeug hält", und führte, als die Gegner wieder am Brett standen, den Turm von e1 nach e4.
Der Gegenzug lautete Dg4-h5 (die Barbaren waren also wieder nicht in die Falle, f5 zu schlagen, gegangen), und die Giganten ließen Dd3-g3 folgen, und wieder drohte für Schwarz der Damenverlust durch Sd5-f6 mit Schach. Doch Tarzan und Co. ließen sich nicht beirren und zogen den König einfach in die Ecke nach h8. Weiß rückte nun mit Sd5-e7 vor, und Schwarz blieb nichts anderes übrig, als seine Dame nach h6 zu ziehen, um nach dem drohenden nächsten Zug Te4-h4, der dann auch erfolgte, überhaupt noch ein sicheres Feld mit der Dame erreichen zu können, nämlich f6.
"Und damit haben sie ausgeschissen", feixte Otzman siegessicher, "denn jetzt sagen wir einfach mit dem Springer auf g6 Schach, und dann ist guter Rat teuer. Mit dem h-Bauern können sie nicht nehmen, mit der Dame wärs auch nicht geraten, und wenn ihr f-Bauer unseren Springer schlagen sollte, opfern wir kurzer Hand den Turm auf h7, gehen anschließend mit der Dame nach h3, und das wärs dann."
Doch die Barbaren zogen einfach Kh8-g8.
"Das wird sie auch nicht mehr retten", waren sich Batman und Superman einig, "denn jetzt schlagen wir einfach den Turm und liegen damit noch ein Stückchen weiter vorne."
"Von wegen die Qualität gewinnen und das Spiel dann langsam nach Hause schaukeln", versetzte Otzman. "Schließlich wollen wir denen doch zeigen, wer hier der Herr im Hause ist, oder nicht? Fertigmachen werden wir die, und zwar auf der Stelle mit Turm schlägt h7. Und falls der König nimmt, kommt wieder Dame h3, gefolgt vom Matt auf h8; und wenn der König nicht nimmt, kommt das Matt auf h8 halt sofort durch den Turm; und wenn die Dame den Springer nimmt, wird sie von unserem kleinen Bauern geschlagen, und dann haben sie auch keine Chance mehr. Alles klar? Nun, dann lasst sie reinkommen, diese klugen Barbaren!"
Tarzan, Hägar und Obelix kamen zurück an den Schachtisch.
"Also, ihr habt euch zwar recht tapfer geschlagen", eröffnete Otzman ihnen in recht freundlich klingendem Tonfall, "aber dass ihr dieses Spiel verlieren würdet, war doch zu erwarten gewesen, denn mit Schwertern und Fäusten kann man hierbei leider nichts reißen, da braucht es schon etwas mehr." Und nach diesen Worten ergriff er den Turm auf h4 und setzte ihn, nachdem er den dort stationierten Bauern langsam und genüsslich beseitigt hatte, auf das Feld h7, grinste Tarzan spöttisch an und sagte: "So, und jetzt könnt ihr wieder mit euren Affen, Römern und Burgen spielen gehen."
Tarzan hielt diesem Blick mit steinernem Gesichtsausdruck stand, und man konnte nur ahnen, wie es in seinem Inneren aussah. Dann blickte er einige Sekunden lang aufs Brett, hob schließlich den Kopf und fragte: "Wo Matt?"
"Noch gar nicht", gab Otzman zurück, "aber das dauert nicht mehr lange."
"Wenn nicht Matt, dann ihr gehen und wir weiterspielen."
"Na klar, na klar. Kommt, Jungs, überlassen wir sie ihrem Schicksal."
Schade, dachte Tarzan, dass das Spiel jetzt so bald vorbei sein sollte, denn in seinen Augen war es bisher recht gut gelaufen,
wenn man von dem Chaos zu Beginn einmal absah, als sie sich einfach nicht auf den ersten Zug einigen konnten. Jeder von ihnen hatte eine andere Figur ziehen wollen, und da keiner bereit gewesen war, einen Kompromiss einzugehen, musste Dorman schließlich eingreifen. "So kann das aber jetzt nicht weitergehen", hatte er gesagt, "ihr müsst schon irgend einen Zug machen, oder ich erkläre die Partie halt für euch für verloren (und das wäre dann der klassische Fall von >Weiß zieht und gewinnt<, dachte er bei sich). Es gäbe allerdings noch eine Alternative, ihr könntet nämlich auf das Recht, eure Züge gemeinsam zu beraten, verzichten. In dem Falle würde dann jeder von euch selbst entscheiden können, was er ziehen möchte, aber halt nur immer bei jedem dritten Zug."
Dormans Alternativvorschlag schien die einzige Lösung für ihr Problem zu sein, und so war man sich rasch einig und begann mit der Auslosung der Spielerreihenfolge. Obelix war schließlich der Glückliche, der anfangen durfte, gefolgt von Tarzan und Hägar, und obwohl Tarzan auch lieber der Erste gewesen wäre, war er doch schon zufrieden damit, dass es überhaupt noch zu diesem Spiel kam, denn kampflos zu verlieren, war einfach nicht seine Art. Gespannt wartete er darauf, endlich seine erste Figur ziehen zu dürfen, aber als es dann soweit war, geriet er gleich schon in eine gewisse Zwickmühle. Als Dorman das Spiel nämlich erklärt hatte und von der Dame als stärkster und - neben dem König, den es vor allem zu beschützen galt - deshalb wichtigster Figur sprach, war Tarzan auf einmal hellhörig geworden. Im wahren Leben hatte er, der "König" (des Dschungels), ja immer Kopf und Kragen zu riskieren, um seine Dame, Jane, aus den mannigfaltigen Gefahren zu erretten, in die sie leichtsinnigerweise immer wieder hineinstolperte, und dass es bei diesem Spiel jetzt mal umgekehrt zuging, dass die Dame nämlich den König vor dem Schlimmsten zu bewahren hatte, fand er deshalb nur recht und billig. Und dass er Jane dort hinschicken konnte, wohin er wollte, ohne mit harschen Widerworten rechnen zu müssen, gefiel ihm ebenfalls sehr gut. Und so war sein Plan entstanden, den König (sich selbst also) nicht ein einziges Mal zu bewegen, sondern ihn die ganze Zeit über von Jane umsorgen zu lassen. Und damit diese Strategie nicht ganz so leicht zu durchschauen war, beschloss er schließlich auch noch, nicht immer nur mit Jane zu ziehen, sondern ab und zu auch mal mit einem der Zebras, denn die übrigen Figuren sagten ihm nicht viel, da sie keinen anderen Tieren ähnlich sahen. Nur bei den sogenannten Bauern hatte er sich - wohl eher aufgrund ihrer Anzahl, denn ihrer Gestalt - ein wenig an ein Rudel kleiner Affen erinnert gefühlt, aber weil die nur nach vorne marschieren konnten, hielt er sie in diesem Spiel für ziemlich uneffektiv und wollte mit ihnen nichts weiter zu tun haben. Und dennoch sah er sich, als er zum ersten Mal nach
1.e2-e4 c7-c5 2.d2-d4
am Zuge war, mit dem Problem konfrontiert, von seinem erarbeiteten Plan abweichen und doch einen Affen ziehen zu müssen. Den Sinn des Spieles - seine Streitmacht nicht unnötig dezimieren zu lassen - hatte er nämlich durchaus begriffen, und einfach einen Affen für nichts zu opfern war schließlich nur dumm, also wollte er dem Gegner wenigstens den gleichen Verlust zufügen und zog
2...c5xd4 dann folgte 3.c2-c3 d4xc3 4.Sb1xc3 e7-e5 5.Sg1-f3
und Tarzan war wieder an der Reihe. Und wieder war einer seiner Affen angegriffen, und weil der Affe den Angreifer diesmal nicht schlagen konnte, musste man ihm halt zu Hilfe kommen, und zwar durch ein Zebra, denn Jane hatte schließlich die Aufgabe, den König zu beschützen, und nicht irgendwelche dummen Affen:
5...Sb8-c6 6.Lf1-c4 Sg8-f6 7.Lc1-g5 Lf8-c5 8.Lg5xf6
Und jetzt war Tarzan ja praktisch gezwungen, seine Jane ins Spiel zu bringen:
8...Dd8xf6 9.Sc3-d5 Df6-d6 10.0-0 0-0 11.Dd1-e2
Und da der König seinen Standort inzwischen geändert hatte, musste Tarzan Jane natürlich wieder in dessen Nähe postieren:
11...Dd6-g6 12.Sf3-h4 Sc6-d4 13.De2-d3 Dg6-g4 14.Sh4-f5
Tarzan war ziemlich entsetzt gewesen, als Jane nach Hägars Zug einfach von einem gegnerischen Zebra hätte weggenommen werden können, doch hatten Superman & Co. das glücklicherweise nicht gesehen, während Obelix weit besser aufgepasst und Jane dann rasch noch in Sicherheit gebracht hatte. Dieses weiße Zebra schien es auf Tarzans Lieblingsfigur abgesehen zu haben, und so entschied er sich dafür, das Zebra einfach zu entfernen und die Gefahr somit zu beseitigen:
14...Sd4xf5 15.e6xf5 d7-d6 16.Tf1-e1 Lc8-d7 17.Te1-e4
Tarzan war zwar klar, dass er mit Jane jetzt die Figur auf dem Feld f5 wegnehmen konnte, doch war er in seinem Leben halt immer ein ziemlich humaner Wilder gewesen, und wehrlose Affen zu töten - selbst wenn es feindliche waren - , war nicht sein Stil. Also brachte er nur Jane in Sicherheit und zog
17...Dg6-h5 18.Dd3-g3 Kg8-h8 19.Sd5-e7 Dh5-h6 20.Te4-h4
Jane wurde schon wieder angegriffen, und Tarzan fand nur zwei sichere Felder, auf die sie entkommen konnte, und weil er sie natürlich in der Nähe des Königs belassen wollte, spielte er
21...Dh6-f6 22.Se7-g6+ Kh8-g8
Und dann hatte Otzman zu seiner Spott-Tirade angesetzt,
23.Txh7
gezogen...und war nun gerade dabei, wohlgelaunt mit seinen beiden Kumpanen den Warteraum aufzusuchen. Tarzan sah ihnen mit steinernem Gesichtsausdruck hinterher, und dabei fiel sein Blick auf Hägar, der etwas abseits dastand und irgendwie dreinsah, als wenn er ungerecht behandelt worden wäre oder so. Und Hägar schmollte in der Tat,
dabei hatte ihm die Partie am Anfang noch ungeheuren Spaß gemacht. Er war als dritter Spieler seines Teams an der Reihe gewesen und nach
1.e2-e4 c7-c5 2.d2-d4 c7xd4 3.c2-c3
zum erstenmal zum Einsatz gekommen, und in dieser Situation gab es wirklich nicht viel zu überlegen. Einen Bauern hatte Tarzan bereits geschlagen, und jetzt war halt der nächste dran, und damit war die gegnerische Truppe schon in der Minderzahl, was natürlich ganz nach Hägars Feldherrngeschmack war:
3...d4xc3 4.Sb1xc3 e7-e5 5.Sg1-f3 Sb8-c6 6.Lf1-c4
Schlagen konnte man diesmal leider nicht, also galt es, seine Leute erst mal ordentlich aufzustellen, und weil der Gegner schon beide Springer in Schlachtposition gebracht hatte, wollte Hägar dem nicht nachstehen:
6...Sg8-f6 7.Lc1-g5 Lf8-c5 8.Lg5xf6 Dd8xf6 9.Sc3-d5
Die laut Dormans Erklärung stärkste Figur auf dem Brett (mit der Hägar sich natürlich sofort identifiziert hatte) war nun also auch im Spiel, stand ihm aber viel zu weit abseits, denn ein richtiger Feldherr gehörte ins Zentrum der Schlacht zu seinen Leuten:
9...Df6-d6 10.0-0 0-0 11.Dd1-e2 Dd6-g6 12.Sf3-h4
Hägar war ein wenig brummig, weil dieser Blödmann von Tarzan anscheinend keine Ahnung hatte, wo ein Feldherr hingehörte, aber jetzt wieder zurückzugehen, um das gleiche Spielchen dann womöglich noch einmal zu erleben, wollte er auch nicht. Und so beschloss er, mit seinem Springer weiter nach vorne zu preschen, um Platz zu schaffen für das nachrückende Fußvolk:
12...Sc6-d4 13.De2-d3 Dg6-g4 14.Sh4-f5 Sd4xf5 15.e4xf5
Der Feldherr schien jetzt zwar wieder besser ins Geschehen eingreifen zu können, doch hatte sich seine Truppe im zentralen Schlachtbereich etwas gelichtet, und so musste die erst einmal Verstärkung bekommen:
15...d7-d6
Und als Hägar den Zug gemacht hatte, fiel ihm sogleich ins Auge, dass der vorwitzige weiße Bauer auf f5 nun zweimal von schwarzen Figuren angegriffen war, aber nur einmal beschützt wurde, und er war gespannt darauf, wie der Gegner jetzt reagieren würde. Und als der lediglich
16.Tf1-e1
spielte und Obelix wenig später zum Läufer griff, hatte Hägar den Jubelruf bereits auf den Lippen, der ihm nach
16...Lc8-d7
aber voll im Halse stecken blieb. Was für ein Idiot, dachte Hägar, durfte nach
17.Te1-e4
jedoch gleich wieder neue Hoffnung schöpfen. Und dann griff Tarzan zur Dame und - schlug ebenfalls nicht den Bauern, sondern zog
17...Dg4-h5
und Hägar verstand die Welt nicht mehr. Diese beiden Muskelprotze waren zusammen ja noch blöder als Sven Glückspilz alleine, und wie sollte man mit solch einer Mannschaft eine Schlacht gewinnen? Da hatte er solch eine gute Vorarbeit geleistet, und dann ließen ihn die beiden einfach so gemein im Stich, dass er ihnen jetzt auch nicht mehr weiterhelfen wollte. Sollten die doch sehen, wie sie ohne ihn zurecht kamen. Und nachdem Weiß
18.Dd3-g3
gespielt hatte und Hägar also wieder am Zuge war, ließ er den Bauern auf f5 deshalb völlig ungeschoren, griff gezielt zu der Figur, die am wenigsten ausrichten konnte und zog
18...Kg8-h8
Der weitere Verlauf der Partie interessierte ihn jetzt nicht mehr, und nach
19.Sd5-e7 Dh5-h6 20.Te4-h4 Dh6-f6 21.Se7-g6+
nahm er einfach wieder den König und setzte ihn - bevor Batman & Co. sich überhaupt hatten entfernen können - auf das Feld zurück, von dem er gekommen war:
21...Kh8-g8
Und als Otzman dann
22.Th4xh7
spielte und die Schlacht damit kurz vor ihrem Ende stand, dachte er nur, geschieht euch ganz recht, und du (er meinte Obelix, der nun am Zuge war und angestrengt zu überlegen schien) hättest früher nachdenken sollen, und nicht erst jetzt, wo es zu spät ist.
Als Obelix das Schachspiel zum ersten Mal in Augenschein genommen hatte, war er ziemlich entzückt gewesen von den vielen kleinen Hinkelsteinen auf dem Brett, und als Dorman ihm noch erklärte, dass die Figuren so etwas wie eine Horde Gallier auf der einen und ein Manipel Römer auf der anderen Seite darstellten, die sich gegenseitig eine richtige Schlacht liefern konnten, wollte er natürlich sofort mitspielen. Die Wertigkeit der einzelnen Figuren und ihre Zug- und Schlagarten waren allerdings nicht ganz so leicht zu verstehen, und deshalb prägte er sich lieber nur die der Hinkelsteine ein, denn mit den anderen Figuren (Türme, Springer und König (den er wegen des lächerlichen Kreuzes auf dem Kopf absolut nicht als Hinkelstein ansehen konnte)) zu ziehen, würde ohnehin nicht so viel Spaß machen, also konnte er auch gleich völlig darauf verzichten. Als Dorman dann aber zur Sprache brachte, dass die schwächeren Steine auch die stärkeren Steine schlagen konnten, fingen die eigentlichen Schwierigkeiten für Obelix erst an. Er lebte schließlich in einer Welt, in der der Schwächere gegen den Stärkeren keine Chance hatte, es sei denn, er hatte den Zaubertrank. Und den schienen hier gleich alle Figuren zu haben. Doch wenn alle den Zaubertrank hatten, waren auch alle gleich stark (wie Prügeleien unter den Dorfbewohnern immer wieder gezeigt hatten). Mit Fäusten aufeinander loszugehen machte dann zwar immer noch Spaß, aber nur kleine Figuren zu verschieben und wegzunehmen hielt Obelix doch für ziemlich sinnlos, wenn man ja vorher schon wusste, dass am Ende nur ein Unentschieden herauskommen konnte. Und so setzte er sich ein ganz neues Ziel, indem er auf jegliche Prügelei verzichten und seine Steine nur irgendwo in der Mitte aufstellen wollte. Und als es dann so weit war, dass er auf den weißen Eröffnungszug
1.e2-e4
antworten durfte, wollte er mit einem seiner kleinen Hinkelsteine natürlich auch gleich zwei Schritte nach vorne machen, doch mit dem e-Stein würde man dann schon nicht mehr weiterkönnen, und mit dem d-Stein und dem f-Stein würde er sogleich in eine Prügelei geraten, und so fiel seine Wahl schließlich auf den dritten Hinkelstein von rechts, denn die anderen standen viel zu weit außen, um in die Mitte gelangen zu können:
1...c7-c5
Dann folgte
2.d2-d4 c5xd4 3.c2-c3 d4xc3 4.Sb1xc3
und Obelix war wieder dran. Er war von der neuen Situation allerdings wenig begeistert, denn von seinem vorgerückten Hinkelstein war nicht mal mehr der allerkleinste Kiesel übriggeblieben. Außerdem waren nun schon insgesamt drei ganze Hinkelsteine nicht mehr dabei, und das stimmte ihn auch ein wenig traurig, denn er hatte ja nichts gegen die weißen Steine, fand es nur schade, dass er die nicht auch noch ziehen durfte. Vielleicht ist es dann ja doch nicht so schlecht, dachte er, wenn man nicht weiter nach vorne kann, und probierte es deshalb mit
4...e7-e5 5.Sg1-f3 Sb8-c6 6.Lf1-c4 Sg8-f6 7.Lc1-g5
Obelix war zufrieden. Sein zuletzt gesetzter Hinkelstein war immer noch auf dem Brett, und jetzt konnte er es mal mit einem etwas größeren probieren, und weil der eine dieser beiden noch nicht ziehen konnte, bildete er mit dem anderen eine hübsche Reihe auf der c-Linie:
7...Lf8-c5 8.Lg5xf6 Dd8xf6 9.Sc3-d5 Df6-d6 10.0-0
Dieser letzte Zug von Weiß schien Obelix nicht ganz geheuer zu sein. "Darf der das", wandte er sich ungläubig an Dorman, "zwei auf einmal versetzen?" Der Schrecken der Zögernden bejahte. "Dann will ich das auch", entschied Obelix, und machte ebenfalls die Rochade:
10...0-0 11.Dd1-e2 Dd6-g6 12.Sf3-h4 Sc6-d4 13.De2-d3
Und jetzt wollte Obelix endlich auch mal mit dem großen Hinkelstein ziehen, und zwar am liebsten nach d6, denn das würde dann ziemlich nett aussehen in der Mitte, doch war der große Stein leider gerade erst von genau dem Feld gekommen, und einen Zug machen, den sich schon ein anderer vor ihm ausgedacht hatte, wollte er einfach nicht. Also änderte er kurzfristig seinen Plan, überlegte, wie weit er mit dem Stein wohl nach vorne gehen könne - ohne fortgenommen zu werden natürlich - , und zog schließlich
13...Dg6-g4 14.Sh4-f5 Sd4xf5 15.e4xf5 d7-d6 16.Tf1-e1
Inzwischen ließ sich auch der zweite mittlere Stein bewegen, und so setzte Obelix ihn auf das einzige Feld, das überhaupt möglich war, wenn man weder schlagen noch geschlagen werden wollte:
16...Lc8-d7 17.Te1-e4 Dg4-h5 18.Dd3-g3 Kg8-h8 19.Sd5-e7
Obelix bedauerte es nun doch etwas, den großen Hinkelstein im vorletzten Zug nicht weiter in die Mitte gestellt zu haben, denn so ganz am Rand sah der einfach nicht gut aus. Der direkte Weg ins Zentrum war jetzt aber völlig versperrt, und so musste er erst einen kleinen Zwischenschritt tun:
19...Dh5-h6 20.Te4-h4 Dh6-f6 21.Se7-g6+ Kh8-g8 22.Th4xh7
Obelix war zuerst nur verwirrt, als Otzman erklärte, dass das Spiel für Schwarz jetzt verloren sei, denn er hatte ja die ganze Zeit über geglaubt, dass es hier weder Gewinner noch Verlierer geben könne, und auf einmal schien das gar nicht zu stimmen. Und dann fing er an, ziemlich wütend auf diesen dummen Dorman zu werden, der ihm irgend etwas falsch erklärt haben musste und ihn dadurch um eine fetzige Prügelei auf dem Spielbrett gebracht hatte. Und dass Otzman dann auch noch seinen kleinen Hinkelstein fortnahm, machte seine Laune auch nicht gerade besser. Als sich wenig später aber herausstellte, dass das Spiel doch noch nicht zu Ende war und er durchaus noch ziehen durfte, wollte er sich diese Chance natürlich nicht entgehen lassen und wenigstens einmal auch richtig reinhauen. Und zwar so weit wie möglich vorne, um zu zeigen, dass er keine Angst vor seinen Gegnern hatte; und als diese dann wieder am Tisch standen, nahm er also den mittleren Hinkelstein und zog
22...Lc5xf2+
Schluss
Die Giganten waren mehr als überrascht von dieser plötzlichen Attacke, denn mit einem Läuferopfer hatten sie nun wirklich nicht gerechnet. Und je mehr sie darüber nachdachten, ob sie denn besser mit der Dame oder dem König wiedernehmen sollten, desto mehr wurde ihnen klar, dass aus dem von Otzman angekündigtem Matt wohl so bald nichts werden würde. Um den Bauern auf f5 nicht auch noch zu verlieren, spielten sie schließlich
23.Dg3xf2
und zogen sich anschließend rasch in den Warteraum zurück. Und kaum war die Türe hinter ihnen ins Schloss gefallen, musste Otzman sich auch schon die größten Vorwürfe von Superman und Batman gefallen lassen, was er dann aber doch nicht stillschweigend tat, denn schließlich waren sie ja zu dritt gewesen, und die anderen hätten das Läuferopfer ja auch nicht vorausgesehen, und dann brüllten sie einander noch eine Minute lang ziemlich barbarisch an, bevor endlich wieder Ruhe eintrat. Im Saal war der Zoff trotz der geschlossenen Türe nicht zu überhören gewesen, und obwohl Tarzan schon nach wenigen Bedenksekunden signalisiert hatte, dass er zu seinem nächsten Zug bereit sei, wartete Dorman noch ab, bis es nebenan wieder gesitteter zuging, bevor er die Giganten zum Weiterspielen rufen ließ. Die traten mit Batman und Superman allerdings nur noch zu zweit an und mussten zusehen, wie Tarzan sich die Gelegenheit nicht entgehen ließ und mit
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den weißen Turm zur Strecke brachte, woraufhin sie
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zogen, was Hägar (der nach der abgewendeten Niederlage und dem Zerwürfnis des Gegners plötzlich wieder Interesse am Spiel hatte) natürlich mit
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beantwortete. Das dezimierte Gigantenteam bat Dorman daraufhin um eine Auszeit, die auch sogleich gewährt wurde, und zog sich für eine Weile zurück.
Tarzan hatte den Niedergang der so hochnäsigen gegnerischen Mannschaft ruhig und würdevoll mit angesehen und heimlich natürlich sehr genossen, doch hieß es jetzt, nicht leichtsinnig zu werden, denn obwohl das Spiel zur Zeit nicht mehr verloren schien, war es auch noch lange nicht gewonnen. Und als er sich die Bauernstellung auf dem Brett etwas genauer ansah, kam ihm in den Sinn, dass Dorman am Anfang erwähnt hatte, dass diese kleinen Affen unter gewissen Umständen auch umgetauscht werden konnten. Er bat ihn daraufhin, das seinem Team noch einmal zu erklären, was der auch gerne tat.
Nach Ablauf der vereinbarten Auszeit wurden die Giganten durch das übliche Signal ans Brett zurückgerufen, und weil sie nach einigen Sekunden noch nicht aufgetauchten, ging Dorman im Warteraum nachsehen, doch der war menschenleer. Nur auf dem Tisch lag ein kleiner Zettel, den Dorman an sich nahm und dann der versammelten Zuhörerschaft im Saal laut vorlas: "Tut uns leid, dass wir nicht weiterspielen können, aber wir haben soeben über Handy erfahren, dass der berüchtigte Giftman wieder aktiv geworden ist und wir dringend benötigt werden. Batman & Superman."
Das Spiel war damit beendet, und Tarzan, Hägar und Obelix wurden zu Siegern erklärt, da Dorman das Nichtantreten des Gegners als Aufgabe wertete. Er beglückwünschte die überraschten Gewinner, drückte den ihnen dabei auch gleich ein Beitrittserklärungsformular des Vereins >Schachfreunde Brett vorm Kopp Duisburg e.V.< in die Hand und warf dann noch einen letzten Blick auf die Schlussstellung, bevor er das Schachbrett und die Figuren sich wieder ins Nichts auflösen ließ.
"Und dann habe ich mit meinem Turm ihren Springer geschlagen", verkündete Hägar seiner Frau Helga später stolz Zuhause, "und danach waren sie so fertig, dass sie einfach laufen gegangen sind."
Tarzans Version, die er seiner Jane vortrug, hatte dagegen ein völlig anderes Ende. Da waren die Giganten nach der Auszeit nämlich noch angetreten und hatten weitergespielt, wenn auch vergeblich, denn letztlich hatte er, Tarzan, den entscheidenden Zug gemacht und mit fester Stimme die historischen Worte gesprochen: ich Schach, du matt!
Und Obelix? Der war nach der Aufgabe des Gegners zunächst einmal gar nicht erfreut, sondern wirklich ziemlich sauer gewesen, weil er nun keine Gelegenheit mehr bekommen würde, aus den kleinen Hinkelsteinen große zu machen. Doch war seine Enttäuschung natürlich auch rasch wieder vergessen, und als er nach einer recht ereignislosen Heimreise seinen Freund Asterix [der wegen eines seiner amourösen Abenteuer - die in den Heften immer so verschämt verschwiegen werden - nicht zu der Comic-Helden-Versammlung hatte mitkommen wollen] wieder in die Arme schließen konnte und von dem dann gefragt wurde, wie es denn gewesen sei, und ob es etwas besonderes zu berichten gäbe, hatte Obelix kurz nachgedacht und dann geantwortet: "Nee, war eigentlich so wie immer... obwohl, eine besondere Sache gabs doch. Es hätte nämlich um ein Haar eine tolle Prügelei gegeben, doch dann kam uns irgend so ein Ritter der So-Und-So-Schule dazwischen, und dann wurde da leider nichts draus. Schade, wirklich schade."
aus: Jubiläumszeitschrift 10 Jahre Brett vor´m Kopp
LETZTE ÄNDERUNG AM : 25.10.2006